SEISMOCORDER VERLAG
Gesamtkatalog 2010
(Letzte Aktualisierung: 29.08.10 17:25)
Carl Ceiss
1. Theaterstücke:
ZERSTÖRTES TRIPTYCHON
Ein Stück
Besetzung : 3 D, 8 H,
Wechseldekoration
Entstanden : 1978/80, vierte Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
Zwei Jugendliche lernen in der
Schule der allegorischen Stadt Vineta das herrschende Dogma der
Diktatur, dass ihre Zukunft aus rosa Marzipan bestehen würde. In
diesem Klima wird aus einem unbedeutenden Witz das
staatserschütternde Gerücht über eine angeblich bevorstehende
Sturmflut. Dem Bürgermeister gelingt es, mit der Ankündigung
eines Festes den Unfug zu zerstreuen. Aber die Bildzerstörer
Vinetas träumen weiter ihren kollektiven Traum von einem Leben
ohne Militärbürokratie. Im Keller des Rathauses der Stadt
Vineta finden die Jugendlichen ein zerstörtes Triptychon. Das
seltsame Bild widerspricht all dem, was sie bisher in der Schule
über die Gesellschaft gelernt haben. So können die Jugendlichen
den alten Keller nur als veränderte Individuen verlassen. Denn
kaum über mögliche Konsequenzen nachdenkend, werden sie von
vier menschlichen Ratten angegriffen, die das Staatsgeheimnis
bewachen. Diese Ratten dienen der Repressionsgewalt der Insel und
fressen sich im Fall eines Verrates gegenseitig auf. Durch
brutalste Gehirnwäsche zwingen sie einen Jugendlichen, in ihren
Reihen zu dienen und stecken den unbeugsameren Anderen in eine
Irrenanstalt. Mitten in die Vorbereitung der Feier zur Ablenkung
der Bürger platzt die Nachricht über eine tatsächliche
Flutkatastrophe. Dem Jugendlichen gelingt die Flucht aus der
Irrenanstalt und aus der Bewachung durch den anderen. Kurz vor
der Sturmflut verlassen die Ratten die versinkende Insel und
ertrinken im Meer. Das letzte Fest der Stadt Vineta findet
während der Ruhe zwischen zwei Stürmen statt. Kurz bevor Vineta
endgültig versinkt, wird das Kitschbild des Marzipans zerstört
und mit dem Triptychon die Utopie einer besseren Gesellschaft aus
dem Keller getragen.
Zerstörtes Triptychon ist ein beklemmendes Psychogramm aus einer
real existierenden Diktatur mit ihrem morbiden
Sicherheitsapparat. Die Parabel geht über die konkrete
Auseinandersetzung hinaus, in dem jede totalitären Erscheinungen
in der Gesellschaft angegriffen werden. Das frühe Erstlingswerk
des zum Entstehungszeit erst achtzehn Jahre alten Autors
fasziniert durch seine prophetische Weitsicht.
DESPOT ODER DIE BUNTEN SCHUHE
Gräuelkomödie
Besetzung : 13 H, 4 D,
Wechseldekoration
Entstanden : 1979
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
"Despot oder Die bunten Schuhe" ist eine surreale Parabel über eine stalinistische Militärdiktatur: Der Adjutant des Despoten ist verzweifelt, weil er seit Tagen keine Befehle mehr bekommt. Der Bittsteller Dirk Dick bemerkt, dass der alte Despot gestorben ist und setzt sich unbemerkt an seine Stelle. Seine Minister sind senil oder spielen verrückt, um zu überleben. Doch der neue Despot Dick entledigt sich ihrer. Auch die Künstler sind üble Opportunisten. Ein Puppenspieler soll dem Volk die Sitzungen des Ministerrats in Zukunft vorspielen. Und er erlässt ein Dekret, in dem alle gelben Schuhe verboten werden, da sein Adjutant den Alptraum hatte, dass Träger gelber Schuhe die Diktatur beseitigen werden. Selbst träger gelber Hüte werden (willkürlich) zu Staatsfeinden erklärt. In einer Schusterei kommt es daraufhin zu Verwirrung, Spitzelei, Erpressung und Korruption. Zwischen dem neuen Despoten und seinem Adjutanten tobt ein stiller Machtkampf. Ein Holzfäller erkennt bei einem Verhör in Dick seinen ehemaligen Kollegen und wird eingesperrt. Und der Despot beginnt, an seine eigenen schwachsinnigen Dekrete zu glauben. Er verteilt die Distrikte seines kleinen Inselstaates an Karrieristen nach der Größe der Stiefel der Bewerber. Die Zuschauer wollen das Spiel mit den Ministermarionetten und der verordneten Staatsdoktrin nicht sehen. Die Vorstellung bekommt eine unbeabsichtigte Eigendynamik gegen die Diktatur. Freie Meinungsäußerung ist selbst unter den Funktionären verboten. Eine Alte, die verzweifelt ihren vermissten Sohn Dick sucht, erkennt, das er die Rolle mit dem toten Diktator getauscht hat, worauf er seine Mutter mit einem gelben Vanillepudding vergiften lässt. Das ganze Volk wird in die Kerker gesperrt. Um seine Haut zu retten, klärt Dick seine Identität auf und ruft eine Revolution aus, bei der alles beim alten bleiben soll und macht sich zum neuen Präsidenten. Da er mit einem Langschläfer einen Inkompetenten zum Kerkermeister gemacht hat, kann sich das Volk befreien. Der Adjutant wirft Dick vom Herrschaftssessel und triumphiert kurz. Doch da kommt der Holzfäller und übernimmt das Amt seinerseits. Die Spirale der Diktatur scheint endlos.
(Eine geistige Verwandtschaft ist mit dem österreichischem Dramatiker Jura Soyfer erkennbar. Die Gräuelkomödie ist auch als Puppenspiel oder als genreübergreifendes Spiel vorstellbar. )
DAS FAHLE PFERD
Dramatische Collage (Volltext herunterladen)
Besetzung :
Besetzung variabel, Simultandekoration
Entstanden : 1979/81, dritte Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
Erstdruck in : "Spielplan", 1989
Die russische Bergarbeiterin Olga erwacht im heißen Schlamm, ihre Kollegen sind tot, das Bergwerk und die übrige Welt sind verschwunden. Sie wird zufällig gefunden vom amerikanischen Atombombenflieger John, der seine Orientierung verloren hat und durch Feuer und Wasser geflogen ist. Beide haben ein nukleares Inferno überlebt und fliegen gemeinsam über eine zerstörte Erde, um andere Überlebende zu suchen. Begleitet werden sie von einem postantiken Chor der Toten, der die Erlebnisse der letzten Überlebenden der Menschheit kommentiert. Doch Olga und John sehen nur die Trugbilder einer überheißen Fata Morgana radioaktiver Strahlung, sie begegnen nur den Schatten der Zivilisation:
Ein Faktotum hat sich auf ein Telegraphenamt verirrt und bedroht die Telegraphistin mit einer Bombe. Ein Torso sucht unter anderen Plastiken der Weltkultur vergeblich seine Identität. Zwei Clowns kämpfen in einer Wetterfabrik unter den bedrohlichen Anfeuerungen ihrer Herrn gegeneinander um größte Effizienz. Im Tal der Könige steht Tut-Ench-Amun wieder auf, nachdem ein Reporter seine Mumie fotografiert. In einem Irrenhaus beschließt Noah, künftig der Kriegsgott Mars zu sein und hängt sich auf. Auf einem Hügel muss ein Bauer die Kommandos aller Feldherren der Weltgeschichte ertragen, bis er seinen Dienst verweigert. In einem Märchen schläft eine Prinzessin auf einer Bombe, ohne es zu bemerken... Auf einer Müllhalde begegnet ein Außerirdischer einem Steinzeitmenschen und ist über dessen Intelligenz enttäuscht. Die Spulen eines Filmes über vier französische Bauern sind vertauscht, ein Film läuft rückwärts, nach dem Tod auf dem Feld kommt die Liebe, und am Ende eine Geburt, eine irreale Hoffnung.
Der Flug von John und Olga fragt nach den Überlebenschancen der Menschheit nach einem nuklearen Inferno. Geschrieben in einer Zeit des Nato-Doppelbeschlusses, als die Friedensbewegung auf beiden Seiten mit der Losung "Schwerter zu Pflugscharen" auf die Straße ging. In dieser dramatischen Collage sind die formalen Gesetze des Genres, die Einheiten von Zeit & Ort & Personen wie ihrer Psychologie, genauso aufgehoben wie in der beschriebenen Katastrophe. Frei nach Motiven aus dem Roman DAS ROTE PFERD von der französischen Schriftstellerin Elsa Triolet.
HEROSTRATOS
Kammerspiel
Besetzung : 4 H, 1 D,
Frauenchor, Wechseldekoration
Entstanden : 1982/86, vierte Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
Das Stück spielt in der ruhmsüchtigen ionischen Stadt Ephesus 356 vor unserer Zeit. Ein für die Weltgeschichte Namenloser, der Lehmträger Herostratos, erwartet überglücklich die Geburt seines ersten Kindes. Der Architekt Deinokrates möchte zu seinem eigenen Ruhm einen neuen Tempel der Artemis bauen und entwickelt gemeinsam mit der Priesterin des Tempels einen teuflischen Plan. Er hetzt Herostratos gegen den Tempel auf und lässt sein neugeborenes Kind und die Frau töten. Der Chor der zwanzigbrüstigen Artemis versucht ihn zu besänftigen, vergeblich. Herostratos tobt am Rande des Wahnsinns. Erst als er in der Priesterin die verloren geglaubte Schwester seiner Frau erkennt, lässt er sich von ihr beruhigen. Doch Deinokrates gesteht offen den Mord im Tempel des Lebens und Herostratos zündet in höchster Verzweiflung den Tempel der Artemis an. Aus seiner Sozialität, aus seinem begrenzen Glück genommen, ist er zu dieser anarchischen Gewalt fähig. Ein fremder Geschichtsschreiber, der am nächsten Morgen vorbeikommt und die verkohlen Ruinen sieht, bringt in Erfahrung, dass den Brandstifter, der in dem Tempel der Artemis selbst verbrannte, nicht etwa Ruhmsucht plagte.
Das Kammerspiel folgt als einziges Werk des Autors klassisch normativen, dramatischen Gesetzen. Die Einheit des Ortes, der Zeit, der Personen und der Handlung sind gewahrt, ein Chor kommentiert die Ereignisse und greift in das Geschehen ein. Die Sprache ist in Versform gehalten, im klassischen Jambus. Mit dem antiken Sujet und der klassischen Form nimmt Herostratos eine Sonderstellung im Werk des Autors ein.
Kritik in: Albert Borowitz: "Terrorism for self-glorification - the Herostratos syndrome" in: The Kent State University Press, Kent and London, 2005, S. 147 f
CAMPANELLA oder die Paralysierung der Utopie
Tragödie
Besetzung : 11 H, 1D,
Kleindarsteller, Wechseldekoration
Entstanden : 1983/88, dritte Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
Im Mittelpunkt der Tragödie stehen die authentischen Ereignisse im Leben Thomas Campanellas von 1593 bis 1603, angereichert mit Figuren aus der Commedia dell´ Arte. Die Inquisition wütet, sucht wie eine Krake ständig neue Opfer, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Während eine kleine Oberschicht prasst, hungern die Bauern unter doppelten Steuern. Mitten im Dogma der katholischen Kirche keimt der Zweifel, Campanella studiert heimlich in der Indexabteilung die Kritiker des Systems. Ein erstes Verfahren im römischen Inquisitionspalast kann Campanella noch gewinnen, weil die Vorwürfe haltlos sind und er über die nötige Bildung verfügt, seinen Gegnern Paroli zu bieten. In einem Kloster in Kalabrien sammelt Campanella zwei Jahre später die unzufriedenen Bauern, Landstreicher und Grundbesitzer Kalabriens um sich und plant gemeinsam mit türkischen Seeräubern einen Aufstand gegen die spanische Fremdherrschaft. Doch der Plan wird verraten und die Rebellion erstickt in einem Blutbad der Besatzer. Campanella gelingt zunächst die Flucht, doch wird er kurz vor Sizilien festgenommen. Er entgeht dem Tod nur dadurch, da das weltliche als auch das kirchliche Gericht sich nicht einigen können, wer ihn verurteilen darf. So wird er dreißig Jahre im finsteren Kerker des Kastell Nuevo in Neapel gefangen sein und schreibt dort seine frühe kommunistische Utopie vom "Sonnenstaat".
Diesem Werk Campanellas haftet nicht nur der mittelalterliche Geruch der Gefängnismauern an, sondern stellt eine ideale Diktatur vor, deren reale Nachfolger erst vor wenigen Jahren von der Bühne der Geschichte abtreten mussten. So ergeben die Vorstellungen über eine Gesellschaft beim katholischen Inquisitor und frühen sozialistischen Utopisten in der gemeinsamen Paralysierung der Utopie einen geradezu traumatischen Schnittpunkt.
ROST
Eine Parodie
Besetzung : 6 D, 9 H,
Wechseldekoration
Entstanden : 1985-87, zweite Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur
Uraufführung.
Drei der höchsten Teufel sind
auf die Erde heraufgekommen, beunruhigt vom lauten Lob der Medien
über eine Gesellschaft, die sich von Ausbeutung des Menschen
frei wähnt. Selbst der abergläubische Pförtner Tanne kann sie
nicht vertreiben. Sie verfluchen den naiven Arbeiter Lutz ROST
mit höherer Verantwortung, machen ihn zum Meister einer
Schwarzbrotabteilung eines volkseigenen Backbetriebes in Berlin.
Voller Eifer will ROST beweisen, dass der Sozialismus dem Leben
ein menschliches Antlitz gegeben hat, muss aber verzweifelt
eingestehen, dass ihm schon am ersten Tag alles misslingt. Seine
Abteilung bäckt nur Ausschuss, die Arbeitsmoral geht gegen Null,
und die Maschinen funktionieren nicht. Nur durch die Verkleidung
in die strenge Direktorin Luise Rastlos und ihrer stalinistischen
Einschüchterungen gelingt es Rost, den Backbetrieb halbwegs
aufrecht zu erhalten, muss jedoch auf ein freundliches
Arbeitsklima verzichten.
Zu allem Unglück verliebt er sich in die herzkranke Katharina
Weide aus der Tortenabteilung und dem teuflischen Chaos sind Tür
und Tor geöffnet. Um ihr eine Kur zu besorgen, zündet ROST eine
Maschinenhalle an und lässt Rastlos einen Tortenautomaten
anschaffen. Aber der Automat versagt, Weide darf die Kur nicht
antreten und lässt mit Rosts Kind auch die Zukunft abtreiben.
Nachdem ROST auf einer Betriebsfeier politische Veränderungen
fordert, darf er sich gar nicht mehr zeigen. Doch auch der
Direktorin Rastlos wachsen die Probleme über den Kopf und vor
einer Kommission des Ministeriums, in der natürlich die
ältesten Apparatschiks, die Teufel persönlich sitzen, wird
Rosts Verkleidung enttarnt.
ROST kann nicht die Schwächen des Systems beseitigen. Für eine
größere Menschlichkeit erweist sich die Produktivität als zu
gering. Und die Ausbeutung des Menschen ist noch längst nicht
beendet. So triumphieren am Ende die Teufel, die sich nicht von
dieser Erde vertreiben lassen.
In dieser Parodie des berühmten Stückes "Der gute Mensch
von Sezuan" wird mit Brechts filigraner Dramaturgie
spiegelverkehrt argumentiert, ohne für eine politische
Restauration einzutreten. Zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR
eine Analyse der Ursachen ihres Untergangs mit viel Komik.
TAPETENTRAKTAT
Ein Monolog (Volltext herunterladen)
Besetzung : 1 H, eine
Dekoration
Entstanden : 1988, zweite Fassung.
Rechte : Bühnen - Aufführungsrechte beim SEISMOCORDER VERLAG.
Frei zur Uraufführung.
Produktion : Sender
Freies Berlin, Ursendung der Hörspielfassung: 12. 6. 1991, ca.: 45
min.
Regie: B. Plensat, Musik: L. Glandien, Dramaturgie: R. Ahrem;
"Stephan Merau": Jürgen Holz
Dies ist die Geschichte des Stephan Merau, der eine Musterbiographie vorsätzlich gelebt hat und alle Normen der Gesellschaft brav erfüllen möchte. Seine Eltern waren Beamte des Staates, er war Musterschüler, Vaterlandsverteidiger und Beststudent, schließlich Diplomingenieur für Mikroelektronik. Der "perfekte" Computer ist sein Vorbild und Ziel. Auch familiär funktioniert zunächst alles bestens: er heiratet eine Frau und "pellt" zwei Kinder aus "dem Ei seines planmäßigen Glücks". Doch durch einen Zufall gerät er unfreiwillig aus dem verordneten Gleichschritt, weicht er von den verinnerlichten Vorsätzen ab. Da er bisher nur nach fremden Maßstäben gelebt hat, wird die plötzliche Begegnung mit sich zur Katastrophe. In mehreren Stadien demontiert sich Stephan Merau zu einem wahnsinnigen Apostel der Anarchie, dringt halluzinierend in unbekannte Räume vor und zerstört am Ende ein ganzes Tapetenlager.
TAPETENTRAKTAT ist nicht nur
ein "Blick zurück im Zorn" auf die engen
gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR. Die Tapeten
Metapher steht auch für ein Leben in unproduktiven Zwängen, wie
sie täglich in der so freien Bundesrepublik erlebt werden kann.
(Das "Hürdenlauf - Traktat", eine schon 1982
entstandene Kurzgeschichte, kann bei einer Realisierung des
Monologs ad libitum dazu montiert werden, was der Abend um eine
Dimension bereichert.)
Dieser experimentelle Monolog ist vorsätzlich ohne eine konkrete
szenische Grundsituation notiert, die erst von den
Theaterproduzenten für die jeweilige Aufführung zu erfinden
ist. So kann durch die Inszenierung selbst ein Ausbruch aus den
eigenen Tapeten für Schauspieler und Regie methodisch möglich
und für die Zuschauer erfahrbar werden
MINOTAURUS AUTOMAT
Tragödie. Variant
Besetzung : variabel: 2 bzw. 4
D, 3 bzw. 6 H, Simultandekoration
Entstanden : 1988 (URMINOS bzw. MINOTAURUS LIBIDO AUTOMAT),
zweite Fassung 1991.
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Eine Gruppe Jugendlicher aus einem europäischen Slum kämpft um das Überleben in einer feindlichen, tödlichen Welt. Die Gruppe um Dode, Hexa, Ekke und Rombus sucht eine Perspektive für ihr Leben, schwankt zwischen Rebellion und Anpassung, Liebe, Wahnsinn, Drogen, Suizid und Ausreise in ein fremdes Land. Wie in einem kulturkritischen Zerr- und Zeitspiegel begegnen sie König Minos von Kreta aus der Epoche einer ersten europäischen Hochkultur. Die berühmte Legende um Pasiphae, Dädalus, Ariadne und Theseus wird nicht einfach chronologisch nacherzählt, sondern diskontinuierlich und assoziativ interpretiert. Alle Figuren sind gefangen in einem Labyrinth ihrer Gedanken und Gefühle. Zum gemeinsamen Schnittpunkt der Zeitebenen wird das Zivilisationsmonster Minotaurus, das damals wie heute die Jugend der Gesellschaft beinahe automatisch frisst...
Das Stück ist ein Konzentrat,
das notwendige Mischungsverhältnis für eine Aufführung auf dem
Theater, die Physiognomie und Psychologie der Darsteller, das
ganze nonverbale Zeichensystem einschließlich der
Regieanweisungen und Sprechpausen bzw. Wiederholungen sollte
Probenarbeit sein. Bei der Interpretation dieses monolithischen
Labyrinths soll versucht werden, die Entfremdung der Produzenten
von ihrem Produkt aufzuheben. Die variable Besetzung, das
Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität der Figuren,
sowie Szenentitel und Geräuschangaben dienen als Kodierungshilfe
für die Interpretation.
In der Urfassung MINOTAURUS
LIBIDO AUTOMAT ist der Text
zwischen den Figuren nicht eingeteilt, ebenfalls als Probenarbeit
für eine experimentelle Inszenierung offen. Dieses hoch verdichtete,
artifizielle Drama fordert starke Bilder und dürfte eine große
Herausforderung gegenüber dem geistig allmählich verödenden
Theater sein.
(Der zweite Teil dieser Trilogie um die minoische Sage ist das Stück NAXOS PROZESSOR.)

AN DEN DREIZEHNTEN (Requiem für einen Greis)
Ein Monolog
Mitarbeit D. F.
Besetzung : 1 H, eine
Dekoration
Entstanden : 1990 (Auftrag des Landestheaters Parchim)
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG.
Produktion : Uraufführung
am 19.1. 1991 im Landestheater Parchim.
Regie & Ausstattung: Marcus Lachmann, Musik: H. Leuchter,
E.H.: Raik Singer, Regieassistenz: Daniel Call
Ein alter Mann sitzt in der Nacht allein in seinem Zimmer. Er ist todmüde, aber es gelingt ihm nicht, das Licht zu löschen. Der alte Mann befindet sich in einer Anstalt für Psychiatrie in Lobetal bei Berlin, man schreibt das Jahr 1990. Er leidet unter einer schweren Wahnvorstellung: Der Alte hält sich für den eben entmachteten höchsten Repräsentanten eines kleinen Staates und für den Generalsekretär einer sozialistischen Partei. Der Greis glaubt als Letzter an ein besseres System. Daher legt er vor sich und vor der Welt einen umfassenden Rechenschaftsbericht ab. Er arbeitet an einem (fiktiven) Bericht AN DEN DREIZEHNTEN Parteitag und macht sich Vorwürfe für seine Taten und weist alle Vorwürfe zugleich zurück.
Er sucht nach den Ursachen für
das Scheitern seiner Ideale und dem Scheitern seines politischen
Systems. Er möchte nicht die Toten auf beiden Seiten der Front
des Kalten Krieges aufgerechnet wissen und fragt schließlich
nach der Verantwortung des deutschen Volkes für den
gesellschaftlichen Fortschritt. Die Deutschen hält er für
feige.
Gibt es (k)eine Alternative zum Wolfsgesetz der Ausbeutung? Zu
Diktatur und Demagogie? Keine lebbare Utopie? Das Stück ist eine
schmerzhafte Provokation wider der kollektiven Verdrängung im
gegenwärtigen Deutschland.
Das Requiem für einen Greis
ist ein Monolog voll von rabenschwarzem Humor, geschrieben zu
einem Zeitpunkt, als vieles noch spekulative Vermutung seien
musste. Erst durch diverse Fachveröffentlichungen bestätigten
sich nachträglich viele absurde Gedankengänge des Greises. Ohne
Anklage oder Verteidigung des Diktators versucht das Stück, die
objektive geschichtliche Situation zu fassen.
Seit der erfolgreichen Uraufführung 1991 in Parchim ist "AN
DEN DREIZEHNTEN" von keiner Bühne nachgespielt worden.
Kritik: Heinz Kersten: "Mehr als Theater", Kritikerblicke auf Ostberliner Bühnen 1973-1990, hrsg. von Christel Drawer, S448ff, VISTAS Verlag GmbH 2006
WÜSTE MARK
Komödie (Frei nach dem Roman BELPHEGOR von J.K.Wezel)
Besetzung : 2 D, 4 H,
Wechseldekoration
Entstanden : 1. Mai bis 17. Juni 1990, zweite Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung
Szenische Lesung am Maxim-Gorki-Theater, Berlin 1992.
Der Artist Belphegor flüchtet in ein Hotel in die Wüste Mark, einem Niemandsland zwischen allen Welten. Belphegor will nur seinen Garten selbst bestellen, doch er lernt einen Winter kennen, der sein ganzes Leben lang währt.
Er wird von den Stammgästen des Hotels, dem irrationalen Apfelweintrinker & Stadtstreicher Medardus und dem dünnen, rationalen Raucher und Klempner a.D. Fromal sowie der 80- jährigen adligen Klofrau Arkante gezwungen, Karriere zu machen, vom Tellerwäscher, Kellner bis zum Millionär an Utopie. Und das junge Paar Valerio & Constanze, kühle moderne Zyniker ohne Utopien, begleiten Belphegor von "Geburt" bis "Tod", vom schwärmerischen Enthusiasten über den finstersten Misanthrop zum störenden Realisten. Belpgegor wird im Hotel der Erbe jener Menschlichkeit, welche alle anderen Figuren verlieren. Das Stück beschreibt eine Endlosspirale. Als man das Hotel an einem Novembermorgen auf den Kopf gestellt vorfindet und Belphegor die gewöhnlichen Zeremonien des Alltags stört, wirft man ihn kurzerhand aus dem Fenster. Das Stück voll Commedia-dell'-Arte - Situationen und Pointen spielt vor dem Hintergrund der undemokratischen Vereinigung Deutschlands.
Die WÜSTE MARK war eine Exklave Westberlins / Enklave bei Potsdam. Anregung für den Spielort war auch die nahe dem Brandenburger Tor befindliche Ruine des Hotels Adlon im Niemandsland. Komödie als Genrebezeichnung meint die Wirkungsstrategie. Die Dekoration sollte wüst / unbehaust wirken und aus alten, abgespielten Bühnenbildern z.B. aus Opern zusammengesetzt sein. In der Pause muss die Dekoration mit allen Tür- & Fensterelementen auf den Kopf zu stellen sein. Die Kostüme möglichst aus dem Fundus, Richtung Beckett. Der Ton des Abends eher sarkastisch und zynisch, harte Brüche, schnelle Anschlüsse, Präzision, Vorführen statt Einfühlen. Das Personal dieser Komödie ist geliehen aus dem Roman BELPHEGOR ODER DIE WAHRSCHEINLICHSTE GESCHICHTE UNTER DER SONNE (1776) des Barockdichters Johann Karl Wezel, welcher seinerseits Voltaires Roman CANDIDE (1759) auf die deutsche Landschaft übertrug. Statt einer Optimismus - Pessimismus Debatte der Aufklärung über den Weltzustand nun die Rationalismus - Irrationalismus Diskussion im Gewand deutscher Geschichte der Gegenwart.
HIMMELFAHRT
Mitarbeit : Nicole Tharau & Denis Frank
Serielle Komödie
Besetzung : 4 D, 3 H,
spärliche Dekoration
Entstanden : Sommer 1994, (Als Drehbuch und 2. Fassung 1998)
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Szenische Lesung in Münster, 2000
Auf einem Friedhof trifft sich eine kleine Trauergemeinde zur Beerdigung eines gemeinsamen Bekannten, die bisher einander noch nicht begegnet sind. So nimmt das kommunikative Unheil seinen Lauf. Es treffen aufeinander der arbeitslose Zeiler, die naive Jungfrau Stern, der ältere Vater Hiebe, die sexbesessene Puppe Mausi, der Sportler Hakky und die leicht senile Großmutter Kutsche. Nach der Beerdigung gehen sie gemeinsam in einem Biergarten, trinken ihr Bier, reden meist aneinander vorbei und können nicht trauern.
Sie versuchen, ihrer Wirklichkeit auf einer Himmelsleiter zu entkommen, was misslingt. Sie betreiben auf einer Wiese eine himmlische Sexorgie, welche sie weiter vereinsamt. Sie engagieren sich auf einem stillgelegten Güterbahnhof in einem Himmelfahrtskommando, schießen ziellos aus gefundenen MGs und bringen unabsichtlich sieben Bahnarbeiter und sieben Tauben um. Sie summen trostlos die Nationalhymne, berechnen vorsichtig ihr Gehalt. Sie masturbieren bzw. onanieren lustlos, werden von quadratischen Wolken fast erschlagen, beten ihr Vaterunser, bauen einen babylonischen Turm aus Biergläsern, aber nichts hilft ihnen. Erst nachdem der Horizont verschwunden ist, suggerieren sie sich so lange schale Lebenshilfe, bis sie gemeinsam "Deux ex machina" in den Himmel fliegen können.
In dieser Commedia dell´ Arte
ist der Geist aus der Flasche, die Zeit der Aufklärung vorbei.
Allein die tagtägliche gnadenlose Trivialität der Formation
diktiert. So finden sich die Zitate aus 30 Tagen Medien und
Wirklichkeit über die Inflation der Sprache zusammen, recycelt
zu einer schnellen Komödie. Ein Blitzlicht Wirklichkeit von
Heute unter dem Mikroskop des Theaters. Gefühls- und Denkspuren,
in denen die totale Entfremdung der Sprache von ihrem Sinn, sowie
die Entfremdung des Gesagten vom Sprechenden deutlich und die
Paralysierung und Hybris der Formation beschrieben wird.
Kommunikation findet nur scheinbar statt. Trauer wird eine
unbezahlte Schwarzarbeit. Der vereinzelte Einzelne hat keine
Motive mehr, welche ihn mit anderen verbinden könnte.
(Und) Bild (bildet) dir deine Meinung. The mode to day is plug
and play ! Eine Himmelfahrt der Formation ins Nichts.
(Der erste Teil der Trilogie HÖLLENFAHRT spielt mit dem gleichen Personal in einem Krankenhaus.)
HANS WURST ODER DAS ENDE DER CHRISTLICHEN SEEFAHRT
Horror Groteske
Besetzung : 1 D, 7 H,
Wechseldekoration
Entstanden : 1997 (Neufassung nach den eigenen Stück
GEISTERSCHIFF)
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
In diesem politischen Tendenzstück wird die alte
Theaterfigur Hans Wurst wieder eingeführt. Der komische Schurke wird
unberechtigter Weise zum Kapitän der Teutonia, einem allseits unterschätzen
Monster mit Geschwüren. Statt feinster Verästelungen der
Psychologie im kleinbürgerlichen Heldenleben die große Haupt-
und Staatsaktion: Eine Verschwörung gegen unsere Demokratie.
Eine radikale Beschreibung der restaurativen Ära, insbesondere
die Kündigung des Contracté Social" steht im
Mittelpunkt der Horror-Groteske. Mit der Schwarzgeldaffäre und
dem Aufstieg und Fall einer mächtigen politischen Partei,
gespickt mit leicht verfremdeten Originalzitaten. Ein Horrorspiel
über die Korruption und die Korrumpierungsmacht der politischen
Klasse und ihrer finanzkräftigen Auftraggeber. Mit dem
politischen Inhalt und der parabelartigen Volkstheater-Form kann
es kaum entfernter vom Hauptstrom gegenwärtig gezeigten Theaters
sein, ein überlebendes Fossil gewissermaßen. Durch die
sinnreiche Vermischung der Motive vom "Fliegenden
Holländer", Hans Wurst und dem siamesischen Zwilling Colloredo aus Genua (Thoracopagus parasiticus), "Es wuchert
zusammen, was nicht zusammengehört" mit der Deutschen
Geschichte der letzten Epoche entsteht ein irres, krudes
Konglomerat.
Der unfähige Teppichverkäufer Wurst wird zum Kapitän der
Teutonia gemacht, meutert gegen Kapitän Schnitt, will zum Kap
der guten Hoffnung fahren und wünscht eine geistig - moralische
Wende des Schiffs Teutonia. Mit Ümit befindet sich eine Blinde
Passagierin türkischer Herkunft an Bord, die die Hölle
täglichen Horrors erblickt: alle liegen wie tot nach einer
Schlacht und kleben in ihrem Blut fest. Die Ungeister lassen sich
nicht über Bord werfen, sondern entsorgen Umit ihrerseits als
moralischen Ballast. Matrose Volker deckt den Kauf des Kapitäns
Wurst durch Reeder Flicken und die Besitzverhältnisse auf der
Teutonia auf. Und plötzlich beginnt Wursts Geschwür namens
Kraut zu reden und Forderungen zu stellen. Kurz, über 15 Jahre
lange politische Geschichte einer unrühmlichen Epoche, eine
Horrorgroteske über Deutschland. Das Schiff fährt ohne Hoffnung
weiter durch die Meere, und die Geistermannschaft ist auf ewig
verflucht "nicht leben und nicht sterben zu können".
WINTERTAGSANGT
Komödie
Besetzung : 4 D, 8
H, Wechseldekoration
Entstanden : 1999
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Um den unendlichen Hunger nach Elektroenergie zu stillen, wird Mitten in Deutschland ein neuer Braunkohletagebau erschlossen. Der tausend Jahre an dieser Stelle bestehende Ort Magdeborn und seine Bewohner müssen dafür weichen. Die tief mit ihrem Boden verwurzelten Bauern und der Schäfer Oswald erleben vor ihren Augen wie in einem Alptraum, wie die Häuser, Gärten und Bäume nach und nach weichen. Ihre Fähigkeit zum Widerstand gegen den Energiekonzern ist nicht ausreichend. Selbst die Backsteinkirche und der Friedhof werden umgelagert. Die lange gewachsenen, sozialen Strukturen zerfallen, auch die Aggression gegenüber Fremde kann den Zerfall nicht stoppen. Einige jüngere Magdeborner nehmen die finanziellen Abfindungen an und versuchen anderenorts ein neues Leben zu beginnen, andere Ältere sterben durch die Aufregung, welche sie nicht verkraften. Oswald wird wegen einer Brandstiftung verurteilt und kommt ins Gefängnis. Die uralte Wurzelfee Allraune kämpft ebenfalls vergeblich gegen die Geister Cobold und Niccel, die in Magdeborn ihr Unwesen treiben. Der alte Ort wird geopfert, der Hunger der Moderne nach Energie ist größer. Klimaschutz hat auch bei den Opfern dieser Devastierung keine Rolle gespielt, der Klimawandel ist nicht aufzuhalten.
DIE SPEKULANTEN
Komödie
Besetzung : 2 D, 4 H, 1
Dekoration
Entstanden : 2001 (Auch als Drehbuch)
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Immer
wieder brandaktuell, wie die globale Immobilien- und
Währungskrise beweist: Mit Aktien kann man reich werden. Oder
bettelarm. Und Optionsscheine sind mitunter mörderisch. Die Gier
nach Besitz macht die Gesellschaft sozial blind. Nur wer nichts
zu verlieren hat, lacht darüber voll Schadenfreude.
In einem Brokerage - Büro in Frankfurt am Main handeln der
wortkarge Kaufmann Matthias Frei, der auf zu großem Fuß lebende
Arthur Goldsein, der von manischem Verfolgungswahn geplagte
Italiener Alexy Scaramuccio, die von den Fehlinvestitionen der
Liebe gebeutelte Arabella von Putendorf und die mausgraue,
ehemalige Krankenschwester Pia Rattcke. Zwar hat sich gerade ihr
sechster Kollege Hagen Holzer aus Verzweiflung über seine
Verluste aufgehängt, doch die SPEKULANTEN treiben gefühlskalt
ihre Tagesgeschäfte weiter. Den Computerplatz vermieten sie
kurzfristig an den Chemielehrer Dietrich Zöllner, der sich durch
ein vorgetäuschtes Versagen seiner Stimmbänder in den Ruhestand
verabschiedet hat. Auch er möchte seine schöne Pension durch
Gewinne aus dem Aktienhandel vergrößern. Als Zöllner die im
Aufzug verstecke Leiche Holzers entdeckt, erkennt er im Tod
seines Vorgängers keine Warnung. Aber als er auf die Auszahlung
seiner verfallenen Optionsscheine besteht, werfen ihn seine
Kollegen amüsiert über seiner Mittellosigkeit aus dem Büro
heraus. Rachsüchtig droht der Versager mit einer Bombe, bastelt
einen Sprengkörper, der zu früh explodiert und ihn erheblich
verletzt. Während der erblindete Zöllner durch das Hochhaus
irrt auf der Suche nach den Schuldigen, die ihm sein Vermögen
geraubt haben, suchen DIE SPEKULANTEN unter den Zuschauern
bereits ihre neue Opfer.
Der arme Euclio in Plautus "GOLDTOPF" ist froh, den gefundenen Goldklumpen als Mitgift zu verschenken. Der reicher Harpagon in Molierès DER GEIZIGEN bekommt die gestohlene Goldkassette zurück. Der gut situierte Pensionär Zöllner verliert mit riskanten Aktiengeschäften in DIE SPEKULANTEN die Ersparnisse, das geerbte Haus und sogar sein Augenlicht. Die Komödie transportiert damit das zugleich zeitlose und aktuelle Sujet in die Gegenwart. Statt antiker Familienzwänge und barockem Hochzeitsdiktat der zynische Umgang der Geschlechter ohne feste Bindungen. DIE SPEKULANTEN offenbaren das ganze Spektrum der tödlichen Besitzgier und ihre verhängnisvolle Unklugheit im Umgang mit dem eigenen Vermögen. In den Krankheitssymptomen der Personen finden sich die Auflösung der sozialen Formation wieder.
ALPHATEXT
Fragment
Besetzung: Variabel und Chor.
Entstanden: September/ Oktober 2001.
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Produktion: Ursendung in einer Hörspielfassung des
Sender Freies Berlin am 7. 3. 2003.
Die Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und andernorts auf dem Globus. In dem Fragment ALPHATEXT geht es um eine dramatische Reflexion der Langzeitfolgen. Es ist ein Exkurs in das Furchtzentrum der globalen Konflikte. In dem Ausnahmezustand von Ratio und Emotion wird die Mutation von Freiheit und Demokratie und die Paralyse der Menschenrechte beleuchtet. Die Szene ist ein Trümmerfeld der Zivilisation, die Zivilisation - ein Trümmerfeld. Wo die Hybris der Formation zur Einstellung des Dialoges führt, gebiert der Schlaf der Vernunft Ungeheuer.
ALPHATEXT besteht aus fünfzehn Szenen: PROLOG, WOLFSGEHEUL, IM FALSCHEN FILM, NOSTRADAMUS & MOSES FÄLSCHERWERKSTATT, WORLD TRADE TERROR ZERO TERZETT, DIE BARBAREN DES YANKEES, SCHLAFEN vielleicht auch träumen, TODD WALKERS FLUG NACH PENNSYLVANIA, OLD MISS LIBERTY KLAGT sich an, SCHUTZSCHIRM PROTEKTORAT EUROPA, MUTATION DES VIRUS, MILLIARDENCHOR DER GENE, SCHEIDUNG A LA MACHIAVELLI, Alpha Centauri oder DER KRIEG DER STERNE und EPILOG: NATHAN IM GAS.
In dem Fragment ALPHATEXT sind die technologischen Normative der klassischen Dramaturgie aufgehoben. Durch die Minimierung von Handlung, Figuren und Dialog und der Maximierung der Brüche gehört das Stück der Seriellen Dramatik an, eine spezifische Form der "minimal art". Es besteht nicht aus konventionellen Dialogen, sondern konsequent aus Monologen, Chören, Lautsprechern.
Die Szenen BETASPUR (2009), die eine Verschwörungstheorie in Rückblende erzählen, ergänzen das Fragment ad libitum.
NAXOS PROZESSOR
Ein Trauerspiel
Besetzung: 2 D, 1 H, eine
Dekoration
Entstanden: 2002
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
An einem Strand auf der Insel Naxos freut sich die minoische Prinzessin Ariadne über die bis hierher geglückte Überfahrt von Kreta. Durch ihre Hilfe und ihren Rat konnte der als Menschenopfer vorgesehene griechische Held Theseus dem sicheren Tod entgehen. Statt von dem im Labyrinth hausenden Minotaurus gefressen zu werden, gelingt es ihm dank ihres roten Fadens und eines Beils, dem Ungeheuer den Stierkopf abzuschlagen, den Ausgang zu finden und von Kreta zu fliehen. Sie weckt den ermüdeten Helden auf und belohnt ihn mit der Preisgabe ihrer Jungfräulichkeit. Im Überschwang ihrer Gefühle stellt sie Theseus ihre jüngere Schwester Phädra vor, die sie heimlich mit an Bord des Schiffes geschmuggelt hat. Theseus verliebt sich augenblicklich in sie und ihr gelingt es während eines Bades Ariadnes im Meer nur mühsam, seine Annäherung abzuwehren. Um frei für Phädra zu sein, fordert Theseus von Ariadne zu deren Entsetzen die Trennung. Sie fesselt ihn mit ihrem roten Faden, um sich ihren Besitz zu sichern. Gedemütigt in der prallen Sonne am Strand findet ihn Phädra, die ihn nicht ohne eigene Interessen befreit. Die Schwestern streiten um den Mann, und Phädra gibt zunächst beschämt nach. Aber dann entschließt sie sich, ihr eigenes Glück nicht zu verraten. Theseus versöhnt sich mit Ariadne scheinbar und verspricht die Weiterfahrt am nächsten Tag. Doch in der Nacht bricht er heimlich mit Phädra auf, die über diesen Verrat glücklich ist. Am nächsten Morgen beklagt Ariadne den Betrug der beiden nächsten Menschen an ihr und flucht ihre blutige Rache. Den Übergang von der blutigen minoischen Diktatur in die kalte griechische Freiheit bezahlt sie mit dem Verlust ihrer Liebe.
In diesem Trauerspiel wird in vierzehn Szenen eine klassische Dreiecksbeziehung durchgespielt. Bei den Bezügen zur Gegenwart kann man von einem zweiten Teil der minoischen Fabel nach MINOTAURUS AUTOMAT Tragödie. Variant sprechen, der die alte Geschichte fortsetzt.
DER YETI
oder der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Affewerdung des Menschen

Eine soziale Komödie
Besetzung: 5 D, 7 H,
Mehrfachbesetzungen möglich, Wechseldekoration
Entstanden: 2002
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER
VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Produktion: Aufführung durch die Gruppe "Theatrikos"
am Projekttheater Dresden,
Dezember 2006 & Januar 2007 in Halle.
Regie: Andreas Hüttner,
Ausstattung: Torsten Ulrich
Mit: Henriette Ehrlich, Regina Felber, Andreas
Hüttner, Utz Pannicke und Frank Weiland
Das
Stück entstand als Gegenentwurf zur Revue KLEINER MANN, WAS NUN?
von Fallada/Dorst und bedient sich der dialektischer Technologie
des epischen Theaters. Während Rolf Hochhuth in Mc KINSEY KOMMT
die Ursachen der Arbeitslosigkeit untersucht, zeigt DER YETI die
Folgen für den einzelnen Menschen.
Bei dem Konkurs einer Glühlampenfabrik hat Krause wie viele
andere auch seine Arbeit verloren und kämpft um seine
menschliche Existenz und gegen seinen fortschreitenden sozialen
Abstieg. Kann die Arbeitslosenhilfe seine soziale Tollwut heilen?
Hat der Braten Demokratie etwa Rinderwahn? Ist die
Marktwirtschaft für Menschen ohne Produktionsmittel eine Pest?
Ein Stück gegen die Ideologie der Agenda 2010 und die so
genannten Harz IV -Reformen".
Kritiken u. a.:
SÄCHSISCHE ZEITUNG DRESDEN vom 08. 12. 2006: "Der Yeti ist näher, als man denkt" von Kristin Anacker
DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN vom 08. 12. 2006: "Der Yeti ist unter uns" von Nathalia Münnich
UNWUCHT
Stück
Besetzung: Variabel
Entstanden: 2003
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER
VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung.
Das Leben und das Werk des Dramatikers Heiner Müller stehen
im Zentrum des Stücks UNWUCHT.
Am 9. Januar 2004 würde er seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag
feiern können. Und der zehnte Todestag am 30. Dezember 2005
lieferten einen formalen Anlass. Den weiten Weg, den dieser
Dramatiker in Deutschland kürzlich ging, wird in Aufhebung und
Benutzung seiner dramaturgischen Technologie in einer nicht
chronologischen Biographie beschrieben. Der Prozess des
Stückschreibens, der Auseinandersetzung des Dramatikers mit
seiner Wirklichkeit, der zähe Kampf um die Aufführung seiner
Stücke, um Wirkung und Erfolg sowie die Verhältnisse zu seinen
Frauen und Freunden ist Gegenstand dieses Theaterstücks.
Katapultierten die harten Schläge in Heiner Müllers Biographie,
wie sein Kampf mit der Literaturzensur in der DDR oder der Suizid
seiner zweiten Frau Inge, diesen veristischen Dichter in den Ruhm
des modernen Klassikers? Hat er auf verbindliche politische
Aussagen und Wirkung verzichtet, um sich seinen Teil aus dem
Tantiemekuchen der Theaterwelt zu schneiden? Ist die
Disproportionalität von Bedeutung, Wirkung und Erfolg
unvermeidliche Bedingung für die Kreativität des künstlerisch
Produzierenden? Ist die gespeicherte Unwucht seiner Dramen für
das Theater und die Gesellschaft weiterhin produktiv?
In schlaglichtartigen Szenen mit Zitaten aus den Stücken des
Dramatikers und von Zeitgenossen werden diese Konflikte
untersucht.
HÖLLENFAHRT
Serielle Komödie (1. Teil einer Trilogie)
Besetzung: 4D, 3H, Kleindarsteller ODER: 1 D,1 H
Entstanden: Januar - Februar 2004
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER
VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung.
Szenische Lesung 2007 am Schauspiel Neukölln.
In der Notaufnahme eines Krankenhauses
finden sich mitten in der Nacht höchst unterschiedliche
Patienten ein.
Die hochschwangere Hure Mausi mit dem gewaltbereiten, angeblichen
Kindesvater Hiebe, sowie der verletzte Sportler Hakky und der
verwirrten Grosmutter Kutsche. Sie treffen auf den völlig
übermüdeten Arzt Zeiler und die schwatzsüchtige Nachtschwester
Stern.
Sie sind alle so stark in ihren eigenen, individuellen Welten
konditioniert, das sie in ihrer Egozentrik gefangen und kaum zu
Interaktionen fähig sind. Die nächtlichen Patienten und ihre
Mediziner leiden an ihrem eigenen Lebensunglück und sind
unfähig zu jeder Empathie. Da sie nicht miteinander
kommunizieren können, wird ihre Welt zur Hölle.
Das kluge Embryo beobachtet dieses unmenschliche Treiben in einer
Welt ohne Empathie und beschließt, den spontanen Kindstod zu
sterben, um sich dieses Leben zu ersparen. In dieser sich
auflösenden Gesellschaft gibt es keine Zukunft mehr. Für die
Lebenden eine HÖLLENFAHRT.
Eine minimalistische Variante des Stücks HÖLLENFAHRT kann mit
einer Darstellerin und einem Darsteller gespielt werden, eine
weitere Variante besteht aus sieben einzelnen Monologen der
Figuren in ihrer höllischen Vereinsamung.
(Der zweiter Teil ist die schon neun Jahre zuvor geschriebene serielle Komödie HIMMELFAHRT, in der das gleiche Personal auf einer Beerdigung mit anschließender Trauerfeier agiert, unfähig zu Kommunikation und Trauerarbeit.)
OPHELIAS GEHEIMNIS
Tragödie
Besetzung: 3 D, 4 H,
Entstanden: 2005
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER
VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung.
In der Tragödie HAMLET ist Ophelia eine berühmte Nebenfigur, in OPHELIAS GEHEIMNIS wird sie zu der Hauptfigur: Die alte Geschichte und ihre fassettenreiche Tragödie wird aus ihrer Perspektive erzählt. Ophelia verbirgt vor allen am Hof von Helsingör ein fürchterliches Geheimnis. Selbst ihrem heimlichen Geliebten Hamlet gegenüber traut sie sich zuerst nicht, es offen auszusprechen. Um sich zu schützen, stellt sich Ophelia auf den Rat Hamlet für wahnsinnig. Doch so bescheunigt sie letztendlich nur ihr eigenes Verderben. Die Täter am dänischen Hof sind nicht sicher, solange die Zeugin lebt.
OPHELIAS GEHEIMNIS ist eine eigenständige Tragödie, dessen Szenen zwischen HAMLET - hinter den Kulissen - spielen. Auch umgekehrt lassen sich die Ophelia-Szenen aus HAMLET in der neuen Tragödie einfügen.
OPHELIA GHOST BONUS TRACKS
ELEKTROBRIEF IM FLUSS
Fragment (2005)
Besetzung: Variabel
Rechte: Alle Rechte beim
SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung
Teilabdruck in: GEGNER, (Basis Druck Verlag) 19/2007 S. 36 f
OPHELIA GHOST
BONUS TRACKS ELEKTROBRIEF IM FLUSS. pdf
ist eine nicht normative, reflexive Textfläche,
quasi ein dritter Akt. Es ist eine Verlängerung von OPHELIAS GEHEIMNIS nach
ihrem feuchten Tod in die Gegenwart.
DER JUNGBRUNNEN
Komödie
Besetzung: 6 D, 8 H, Kleindarsteller,
Doppelbesetzung möglich
Entstanden: 2007 (Auch als Drehbuch 2005/8)
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER
VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung.
Ist der Traum der Menschheit von der Ewigen Jugend möglich? Der alte Apotheker Lucas Sandig aus Wittenberg wird von seinen Kindern gegen seinen Willen in das Pflegeheim Florida verbracht. Sie müssen für ihre Arbeit in nach München umziehen, können sich nicht länger um den kranken Vater kümmern. Im Pflegeheim herrschen katastrophale, Menschen ununwürdige Zustände, die Greise siechen dem Tod entgegen. Der alte Sandig flieht aus dem Hein, will so nicht verrecken. In der Stadtbibliothek sucht er ein Rezept gegen Schmerzen und findet ein Mittel für die Verjüngung, welches Dr. Faust direkt vom Teufel bekam. In seinem Garten hinter der Apotheke gräbt er den längst vergessenen, für eine Legende gehaltenen Jungbrunnen des Lucas Cranach aus. Er und seine Freunde aus dem Pflegeheim baden darin und werden tatsächlich wieder jung. Das Mirakel verbreitet sich trotz aller Versuche der Geheimhaltung wie ein Lauffeuer. Bald wird Wittenberg von den Alten aller Kontinente gestürmt. So erlangt die ehemals kulturgeschichtlich und wirtschaftlich wichtige Stadt Wittenberg ihre längst verlorene Bedeutung zurück. Eine Jugendindustrie kurbelt die regionale Konjunktur massiv an. Doch bevor der Wunsch nach Ewigen Leben allen Menschen erfüllt werden kann und so zum Fluch des Planeten wird, versiegt die magische Kraft des Brunnen wieder.
FLEISCHWOLF, AMERIC. SYSTEM
Hororgroteske
Besetzung: 1 D, 3 H
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Entstanden: 2008
In einem abgelegenen Kaff in den
Vereinigten Staaten von Amerika, in unmittelbarer Gegenwart:
Onkel Sam ist ein wegen Fettleibigkeit frühpensionierter Soldat.
Er lebt wie ein Parasit, konsumiert wie viele seiner Landsleute
weit über seine wirtschaftlichen Verhältnisse. Sam ist süchtig
nach dem vierschichtigen Bratfleischbrötchen, das ihm Sue
Silicon täglich in der Systemgastronomie serviert. Als ihm das
Geld ausgeht, nimmt er bei seinem Bankberater Tim eine Hypothek
auf sein Haus auf, um seinen Way of Life weiter finanzieren zu
können. Mit den ausbezahlten dreißigtausend Dollar prahlt Tim
dergestalt, dass selbst seine angebetete Sue bei ihm
übernachtet, freilich weil sie ihm das Geld stehlen will. In der
Liebesnacht jedoch erdrückt er unabsichtlich seine Geliebte und
muss sie am nächsten Morgen im nahen Sumpf entsorgen. Diesen
Augenblick passt Tim ab, um seinem Bankkunden das Geld zu
stehlen. Für den Sheriff Joe beginnt seit langem ein größerer
Kriminalfall.
Nur Onkel Sams nächtliche Altträume sind
schlimmer: In einem Casino von Las Vegas wird der nächste
Präsidentenmörder ausgepokert, an einer Wüstentankstelle gibt
es für die Autojunkies kein Benzin mehr, im Oval Office des
Weißen Hauses verschwört sich der Präsident mit seinem
terroristischen Todfeind gegen die Welt, am Nordpol frisst ein
Eisbär die Klimaschützer, auf einem Heldenfriedhof beklagt ein
General, für künftige Kriege keine Soldaten mehr rekrutieren zu
können, in einem Banktresor singt der Dollar seine letzte Show
und in der Küche wird Sam von chinesischen Monstern durch einen
überdimensionalen Fleischwolf gepresst.
Eine aktuelle Horrorgroteske über das
selbstverschuldete Ende eines Imperiums, der globalen
Vorherrschaft der USA.
ENGEL VON BREMEN
Moritat

Besetzung:
1 D
Entstanden: 2009
Rechte: Aufführungsrechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur Uraufführung.
Gesamttext herunterladen: ENGEL VON BREMEN. pdf
Produktion: Hörspielfassung Radio Bremen / Saarländischer Rundfunk 2009, 69:20
min Stereo, Nachsendung RBB 2010 (54:52 min)
Regie: Ulrich Lampen, Gesche Gottlieb: Ulrike Krumbiegel
Gesche Gottfried, bekannt auch als der ENGEL VON BREMEN, erzählt ihren eigenen Fall, der auf historischen Ereignissen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhundert basiert: Sie verteilt an Bedürftige milde Gaben und pflegt ihre kranken Angehörigen aufopferungsvoll, ist bei allen sehr beliebt. Aber sie wird vom Unglück verfolgt, wohnt in einem Horrorhaus: Nach sieben Jahren glücklicher Ehe erkrankt zunächst plötzlich ihr erster Mann und stirbt. Dann folgt die ganze Familie, ihre Eltern, ihre drei Kinder, der Bruder, der zweite Ehemann, es scheint eine mysteriöse Seuche zu sein. Der Bremer Arzt Doktor Lucius ist ratlos und findet keine klare Diagnose. Später trifft es sogar ihre Freundinnen, Freunde, Verlobte und Nachbarn und viele weitere Menschen in Gottfrieds Nähe erkranken und sterben. Erst als ihr rechtschaffener Vermieter, der Rademacher Rumpff, der sie oft gegen üble Nachrede verteidigt, misstrauisch wird, weil der Speck so komisch aussieht, endet die Seuche. Beschuldigt, fünfzehn Menschen mit Mäusebutter vergiftet zu haben, wird sie als Todesengel ins Gefängnis gesteckt. In der Moritat schildert Gesche Gottlieb ihre komplexen Motive zwischen Lebensgier, Geilheit, Existenzangst, Menschenhass sowie ihre Phasen einer fortschreitenden Schizophrenie und dem Münchhausen-Stellvertreter- Syndrom.
ENGEL VON BREMEN ist ein Parademonolog für eine Schauspielerin Mitte Dreißig, Anfang vierzig, die einen Abend lang brillieren kann. Modern an der Figur Gesche Gottlieb ist der Zerfall jeder Sozialität, der Beginn der Auflösung der Gesellschaft und der Familie für die eigene, egozentrische Befindlichkeit. Heute laborieren wir an den fortgeschrittenen Folgen, wie tägliche Horrormeldungen beweisen. Wie Gottlieb in der ihrer Zeit der Restauration leben wir in einem gesellschaftlich vergifteten Klima von Angst und Gewalt, in der das Töten zur Sucht und die Freiheit mörderisch wird.
WAHN
Komödie
Besetzung:
2 D,3 H
Entstanden: 2009
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Die Nonne Maria,
der Rabbiner Jonathan sowie das ehemalige Mitglied einer
indischen Sekte Beate sind religiöse Fanatiker und leben in
einer geschlossenen Wohngemeinschaft für psychisch Erkrankte.
Maria ist davon überzeugt, der Liebe Gott zu sein, Jonathan
hält sich für zuweilen für Jahwe und Beate glaubt, sie sei
Brahma oder Buddha persönlich.
In ihre Gruppe wird ein neuer extremistischer Fundamentalist als
Patient eingewiesen. Atlan wähnt, Allah zu sein, nachdem er
seine Freundin mit siebenunddreißig Messerstichen umgebracht
hat. Das mühsam aufrechterhaltene Gleichgewicht gerät im Alltag
dieser Vier dabei außer Kontrolle.
Der Wahn des Einzelnen wird durch die Anderen und die Realität
erschüttert. Ihr atheistische Pfleger Theo glaubt, die Vier
durch die Konfrontation mit der Hybris der anderen gegenseitig in
Schach halten zu können. Aber zu seinem Entsetzen muss er
erleben, dass sie mit ihrem Wahnsinn aus der Anstalt ausbrechen,
um die Menschen neu zu missionieren.
Die Explosion des alten Irrationalismus am Beginn des neuen
Jahrtausends drückt sich auch in einer international neu
anschwellenden Religiosität aus und gefährdet den bisherigen
zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit
DRIFT
Komödie
Besetzung: 3 D, 7 H,
Mehrfachbesetzung möglich, drei Dekorationen
Entstanden: 2010
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG Frei zur Uraufführung
Der arbeitslose Jamerino ist auf freier Strecke aus dem
Zug gestiegen, als er zum Spargelstechen aufs Land fahren sollte. Er richtet
sich in einer Brache am Rand der Stadt zwischen Autobahn, Bahngleisen und Kanal
in einer provisorischen Hütte ein und will seine Ruhe von der ständigen
Beschleunigung der Gesellschaft haben. Aber die lässt keine Freiräume mehr zu
und kommt schon bald zu ihm. Zunächst der hyperaktive Bonwella auf der Suche
nach Pfandflaschen. Dann der Unternehmer Globarone mit seinem Architekten und
seiner Geliebten, die auf der Suche nach einem Bauprojekt mit ihrem Auto von der
Autobahn direkt in das Dreieck fliegen.
In der Drift ist nicht nur der Ort von Brache zu Baustelle und Bürohaus, sondern
auch die im Stück agierenden Figuren. Nur Jamerino bleibt passiv unverändert auf
seiner Stelle und betrachtet die immer schneller um ihn rotierende Gesellschaft
mit ungläubigem Staunen.
Wir erleben den Zusammenprall von Parallelwelten in einer divergierenden
Formation. Die unterschiedlichen Interessen der Figuren lösen eine Drift aus,
die alle davon reißt. Der Autor nutzt das klassische Theatro del Arte´ Ensemble,
in dem er seine Figuren in der heutigen Sozialität verortet.
IM DELIRIUM
Politisches Tendenzstück
Besetzung: 1
D, 2 H, Chöre
Entstanden: 2010
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Frei zur Uraufführung
Hans, ein Geologe auf der Suche nach Lithium, ist in der Sahara in einen Sandsturm geraten und hat seine Gruppe und die Orientierung verloren. Ohne GPS und ohne Wasser irrt er immer verzweifelter durch die Wüste. Nachts träumt er von einer Gruppe Kameltreiber, welche ihn ausfragen und berauben, aber keine Hilfe gewähren. Eine Gruppe von Weihrauchhändlern möchte ihm dagegen Drogen verkaufen, aber kein Wasser. Erst der Beduine Ali Baba schenkt ihm seine Wasserflasche und schickt ihn in eine Oase, die am Horizont zu sehen ist. Auf dem Weg dahin bekommt er vor Durst Halluzinationen. Im Delirium erscheint ihm Fata Morgana, welche ihn in ihrem Zelt verspricht, bei ihr wie im Paradies zu leben. Die Kameltreiber sind strikt dagegen, weil sie um ihre Existenz fürchten. Die Weihrauchhändler dagegen können sich ein bedingungsloses Grundeinkommen vorstellen und würden dafür sogar Steuern zahlen, damit ihr System erhalten bleibt. Ali Baba aber möchte, dass die Armen ihre kümmerlichen Transferleistungen mit höheren Konsumsteuern selbst bezahlen. Eine Gruppe Brunnenbauer findet nur die Knochen der verschollenen Geologen, beginnt aber trotzdem neue Brunnen in der Sahelzone zu graben.
2. Bearbeitungen: (Bei ermäßigter Tantieme)
DON JUAN UND FAUST
Tragödie von Christian
Dietrich Grabbe
Bearbeitung
Besetzung : 2 D, 6
H, Wechseldekoration
Entstanden : 1984/94
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Aufführung.
Der unglückliche Detmolder Dramatiker Christian Dietrich Grabbe wagte in seiner Tragödie, zwei fulminante Stoffe der Weltliteratur an einem Abend gedanklich zu fusionieren und hoffte, sie dabei zu übertreffen. Mit Goethes "Faust" sowie Da Ponte und Mozarts "Don Giovanni" wählte er zwei der erfolgreichsten Werke aus, die er finden konnte. Der der dramaturgische Hauptmangel dieses Versuchs ist die ungenügende, eher formale und mechanische Verknüpfung beider Stoffe. Diesen oft beklagten Umstand zum Anlass nehmend, wagt die Bearbeitung den Versuch, diesen so gewichtigen und zentralen Mangel zu beheben, ohne das Textgefüge Christian Dietrich Grabbes wesentlich zu verändern. Dies gelingt mit einem eleganten und effizienten Kunstgriff, der zudem zu einer Reduzierung des Personals führt. Aus Leporello, dem Diener des Don Juans und aus dem Schwarzen Ritter, dem Mephisto Fausts, wird eine weibliche Figur, die schwarze Leporella, eine teuflische Dienerin zweier Herren, die beide in den Abgrund reißt. Dies dürfte eine neue, starke Paraderolle für eine starke und komische Schauspielerin werden. Dagegen wurde Donna Anna, welche beide Männer nur als Liebesobjekt sehen, konsequenter Weise zu einer mechanischen Puppe, zu einer Tänzerin ohne eigenen Text, verändert.
Es entsteht eine überraschend frische Sicht auf das Stück und den alten Nord- Süd Konflikt in ihm. Die Bearbeitung nutzt dabei die Erfahrungen aus einer dramaturgischen Begleitung der Inszenierung dieses Stücks an der Volksbühne Berlin. Ferner sind einige überquellende, retardierende und handlungsarme Textpassagen gekürzt worden.
MASANIELLO
(Trauerspiel von dem Neapolitanischen Hauptrebellen Masaniello)
Tragikomödie
Bearbeitung nach Christian
Weise
Besetzung : 4 D, 14 H, Episodenrollen, Simultandekoration
Entstanden : 1986, zweite Fassung
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Um die unerträglich hohen
Steuern und Zölle des Staates abzuschaffen, wagt der gemeine
Pöbel in Neapel im Jahre 1647 eine Revolution gegen den Adel und
den Vize-König, die zehn Tage lang währen sollte. An die Spitze
des Aufruhrs stellt sich der Fischers Masaniello. Nach blutigen
Auseinandersetzungen und dem gewaltsamen Terror beider Seiten
gelingt es den Herrschenden schließlich, die Aufständischen
durch eine perfide List zu besiegen.
Inmitten der Revolutionswirren in dieser Tragikomödie gerät der
Narr Allegro zwischen alle Fronten. Er dreht sich wie ein
Wendehals nach dem politischen Winde, aber wechselt immer auf die
falsche Seite, kommt zum aktuellen Verlierer des Machtkampfes und
überlebt trotzdem. Eine Paraderolle für einen großen
Komödianten.
Mit der aktuellen Bearbeitung
wird das Stück von seinem üppigen barocken Ballast, welche
seine Aufführung bisher entscheidend erschwerte, befreit. Es
entsteht gegenüber Weises Original ein auf ein Viertel
reduziertes Figurenensemble und eine auf ein Drittel gekürzte,
konzentrierte Fabel ohne retardierende Parallelszenen, wobei
ironisch sprachlich markante Besonderheiten des Barockdichters
beibehalten werden.
Das Stück Masaniello bedient sich übrigens des gleichen Stoffs,
welche auch die bekannte Oper DIE STUMME VON PORTICI (1828) von
Daniel Francois Esprit Auber verwendete.
Die Tragikomödie ist besonders geeignet für das Freilicht- und
Sommertheater.
VIEL LÄRM UM NICHTS
Komödie in fünf Akten von William Shakespeare
Bearbeitung von Carl Ceiss nach
der Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg
unter Verwendung der Novelle von Matteo Bandello
Besetzung : 3 D, 7 H,
Wechseldekoration,
Entstanden: 1995 / 2001
Rechte:
Alle Rechte bei SEISMOCORDER VERLAG, Berlin.
Durch die dramaturgische Bearbeitung der Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg wird die Geschichte um die Fassetten der Liebe nachhaltig verändert. Diese Fassung kommt mit einer kleinen Besetzung aus, streicht für den Fortgang der Handlung nicht notwendigen Nebenfiguren. So wird auf die schwache Figur des Bösewichts Don John verzichtet, der nach seiner Tat schnell aus Messina und dem Stück verschwindet. Seine Intrige ist Benedikt gegeben, der außer seinen verbalen Ausfällen gegen die Frauen bisher einseitig positiv erscheint und handelt. Daraus entwickelt sich eine dialektische Konstellation der Figuren, die Shakespeares Liebeskomödie um die Novelle Bandellos und den Geist der Renaissance erweitert. Benedikt muss am Scheingrab Fenicias dem Freund Timbreo gestehen, dass er Schuld der üblen Nachrede ist, um seine geliebte Beatrice zu bekommen. Erweitert ist die Komödie um eine kleine Liebesszene zwischen Timbreo und Fenicia, einer zentralen Intrigenszene zwischen Borachio und Margaretha und der Friedhofszene, wo die höchst lebendige Familie mit Fenicia über die Trauer und Betroffenheit des reuigen Benedikts über die vermeintlich tote Braut spottet.
Die Freunde Timbreo und Benedikt kommen aus einem Krieg nach Messina zurück. Timbreo verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne Fenicia, die Tochter des Stadthalters Lenonato und schnell ist von Hochzeit die Rede. Aber der Frauenhasser Benedikt möchte diese Beziehung seines besten Freundes verhindern und inszeniert mit Hilfe Borachios eine Intrige. Während dessen suggeriert Timbreo gemeinsam mit dem Prinzen Don Pedro und Leonato dem galligen Benedikt, dass die Männerfeindin Beatrice sich in ihn verliebt habe. Beatrice wird eingeredet, daß Benedikt sie heimlich liebe. Als Timbreo in der Nacht vor der Hochzeit mit ansieht, wie Borachio mit Magaretha, die er Fenicia nennt, verliebte Worte wechselt, ist er eben so schnell von der Schuld seiner Braut überzeugt. Als auf der Hochzeit bezeichnet Timbreo sie als Hure. Die grundlos beschuldigte Fenicia fällt in Ohnmacht. Als Benedikt auf dem Friedhof erlebt, wie die Familie voller Kummer die offenbar verstorbene Fenicia begräbt, ist er über die tragischen Auswirkungen seiner Tat erschüttert. Er kann nicht ahnen, daß Leonato auf den Rat des Paters die Beerdigung seiner Tochter nur vorspielt. Da aber auch Timbreos Spiel mit den Gefühlen Benedikts erfolgreich war und Benedikt bei seiner geliebten Beatrice solange nicht mit ihrer Gegenliebe rechnen kann, wie die Beschuldigung gegen die Kusine in der Welt ist, beichtet er Timbreo seine Intrige. Am Ende heiraten Timbreo und Fenicia und Benedikt und Beatrice können ihren Geschlechterhass überwinden.
3. Kinder- & Jugendtheaterstücke:
ACTION ODER DIE VIRTUELLEN SIEGER
Discount - Comic für Jugendliche in 5 Levels (ab 10 Jahren)
Besetzung : 2 H, 1 D, Tänzer,
Wechseldekoration
Entstanden : 1997
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG, Berlin. Frei zur Uraufführung.
Zwei Jugendliche langweilen sich in einer Tiefgarage. Das PushUp-Girly Seven Eleven hält den Gameboy-Monky Junky Dudle für einen Verlierer, bis er ihr sein neues Computerspiel zeigt. Beide geraten in einen Dschungel, in dem sie zuerst Blumen, Pilze und Früchte pflücken sowie Rubine einsammeln, die von Monstern ohne Kopf bewacht werden. Sie finden den Schlüssel für ein Persisches Schloss, entgehen dort diversen Gefahren und lernen schnell, die virtuellen Gegner zu ermorden, die den Kalif von Persien bewachen. Dieser schenkt ihnen ein Flugticket für einen Fliegenden Teppich nach New York. Auf der Suche nach einer Karte zu einer Nuklearfabrik geraten sie dann zwischen die Fronten einer Schießerei von Polizisten und Gangstern und werden getrennt. Während Seven Eleven mittels gewaltsam injizierter Drogen ihr Bewusstsein verliert und alles vergisst, trifft Junky Dudle in der Tiefgarage den Hausmeister, der die Bezahlung der Stromrechnung fordert. Junky Dudle hält ihn jedoch für eine fiktive Figur aus dem Spiel und bringt ihn um. Nach einem Computerabsturz zurück im Spiel, müssen beide gegen automatische Waffen mit Laserkanonen kämpfen, bis ein Atomreaktor explodiert. Auf einem transilvanischen Friedhof beschließen die Monster auf Rat des Global Players Eynstyn, sich trotz ihrer drückender Überlegenheit "tot" zu stellen, da die virtuellen Figuren Zombies und stets unsterblichen sind. Die jugendlichen Eindringlinge geraten in eine Zwickmühle: jedes Tun und jede Unterlassung führt für sie zum selben Ergebnis, weil sie zuviel und falsch gehandelt haben. Sich für die Sieger im Spiel haltend, klettern Junky Dudle und Seven Eleven in eine vermeintliche Siegestrophäe, ein goldenes globales Netz, welches sie bewegungsunfähig einfängt.
Der Wunsch, Action in der fiktiven Realität zu sehen, entsteht in dem seriell notierten Discount - Comic für Jugendliche durch die eigene Unfähigkeit zur Handlung bzw. Kontemplation der Figuren. Ist das gnadenlos monotone Töten in den interpassiven virtuellen Spielwelten lediglich ein Geschwindigkeits- und Reaktionstest? Die beiden Jugendlichen morden gefühllos alles Andersartige, können fremde Welten nur zerstören. Daher erscheint die Lähmung ihrer Aktivitäten durch die sehr wohl zu Gefühlen fähigen virtuellen Zombies begreifbar und wünschenswert.
Trotz seiner zart gestreuten ironischen Zitate aus Mozarts Zauberflöte ist das Stück garantiert ein Horror für wohlmeinende Pädagogen.
KNALLTREIBLING
Stück
Besetzung:
3 D, 3 H
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur
Uraufführung.
Entstanden: 2008
Mit einem Kuss beginnt alles, der nicht so harmlos ist. Zwar ist Dolly erst zwölf, schwänzt bereits die Schule und trinkt im Park. Für Treibling, einen neunzehnjährigen Praktikanten in einer Autowerkstatt, ruiniert dieser Kuss das halbe Leben. Denn er wird unverhofft geküsst, das Handyfoto davon sendet die eifersüchtige Marlene ihrer Clique zu. So erfährt es die halbe Kleinstadt und löst die Katastrophe aus. Eine Treibjagd gegen den vermeintlichen Kinderschänder setzt ein, als Dolly tot in einem Müllcontainer gefunden wird. Langsam schälen sich die wahren Beziehungen in der Clique und die Abgründe in ihren Familien heraus. Fast alle dieser Jugendlichen leiden wie ihre Eltern unter den prekären Verhältnissen der Dessozialisation der Gesellschaft. Eine Tragödie nicht nur für Menschen zwischen zwölf und neunzehn Jahren. Am Ende fällt ein Schuss.
4. Librettos:
DAS GRAMMOPHON
Libretto für eine Kinderoper
(Für Menschen ab 7 Jahre)
Besetzung: 2 D, 6
H, Chor
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG. Frei zur Uraufführung.
Entstanden: 1979
Im Königreich Musikalien lebt der unglückliche Unmusikalus, der nur die Ruhe liebt. Als er die Drehorgelprinzessin erblickt und sich augenblicks verliebt, wird sein Unglück noch größer. Ein Gesangswettbewerb um das Amt des Königs und die Prinzessin wird ausgerufen. Mit redlichen Mitteln kann Unmusikalus nicht gewonnen. Also kauft Unmusikalus auf dem Markt ein Grammophon und eine Schallplatte und besticht den Zeremonienmeister mit der Aussicht, erster Minister zu werden, wenn er für ihn stimmt. So gewinnt er gegen bessere Sänger und die Hochzeit mit der Drehorgelprinzessin wird schon vorbereitet. Unmusikalus lässt inzwischen alle Musikinstrumente einsammeln, um sie angeblich zu zählen und ruft dadurch den Zorn der Mehrheit hervor. Das Paar Geigano und Geigana verrät dem unterlegenen Sänger Musikalus, dass sein Konkurrent mit einem Grammophon betrogen hat. Sie stehlen ihm die Platte und damit die falsche Stimme. Kurz vor der Hochzeit fliegt der Schwindel auf, Musikalus wird neuer König, bekommt die Drehorgelprinzessin und alle Bürger ihre Musikinstrumente wieder.
- Junger Komponist gesucht, der das Libretto vertont. -
Günter Neubert
PERSEPHONE oder der Ausgleich der Welten
Oper in vier Akten von Günter
Neubert
Libretto von Carl Ceiss
nach einer Erzählung von Werner Heiduczek
Besetzung: 3 H, 2 D, großer
Chor, Wechseldekoration
Entstanden: 1990, 1993-95, zweite Fassung, Auftragswerk für das
Opernhaus Leipzig
Rechte : C. F. Peters Musikverlag Frankfurt / Main. Frei
zur szenischen Uraufführung.
Produktion:
- Konzertante Uraufführung am 25. Mai 2001 im
Opernhaus Leipzig
Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke, Choreinstudierung: Anton
Tremmel
Zeus: Roland Schubert, Hades: Wolfgang Newerla, Hermes: Martin
Petzold, Demeter: Annelott Damm,
Persephone: Cornelia Entling.
Erstsendung am 21. Juli 2001 im Mitteldeutscher Rundfunk
"Logenplatz". Weitere Sendungen im Deutschlandradio sowie im Bayrischen
Rundfunk (Bayer4).
(Der
Mitschnitt kann aus dem privaten Tonarchiv als CD zugesandt
werden.)
Hades stellt fest, dass das Glück auf der Welt nicht gerecht verteilt ist und beklagt sich im Olymp bei Zeus über die Gesellschaft der Toten im Tartarus. Er möchte genauso Lieben dürfen und geliebt werden wie alle anderen lebenden Wesen und wünscht sich einen Partner und begehrt Persephone. Zeus jedoch will sich in Ruhe vergnügen und Hades mit einer Nymphe abspeisen. Er fürchtet um die ewige Ordnung und Streit mit Demeter, welche die gemeinsame Tochter Hades nie geben würde. Als Hades droht, keinen Toten mehr in sein Reich aufzunehmen, bis jeglicher Genuss Menschen und Göttern genommen ist, gibt Zeus schließlich nach. So kann Hades seine geliebte Persephone gegen ihren Willen von ihrem blühenden Wiesen, einer künstlichen Glashauswelt, entführen. Demeter sucht ihre Tochter und ist entsetzt über den plötzlichen Verlust Persephones . Sie erfährt von Hermes, dass Hades ihr Kind geraubt hat. Sie lässt Zeus ausrichten, dass sie sich erst wieder um die Natur sorge, wenn sie ihre Tochter wieder bekomme, bis dahin werde alles Leben auf der Erde sterbe und lässt aus Gram jegliche Natur verdorren. Im Auftrag Zeus besucht Hermes die im Tartarus unglückliche Persephone und gaukelt ihr eine heile Welt vor. Hermes schlägt dem eifersüchtigen Hades vor, Persephone von einem Granatapfel essen zu lassen, damit sie ihn und die Unterwelt nicht wieder verlassen könne. Doch Hades begreift, dass er durch keine List und keine Gewalt seine angebetete Persephone zwingen kann, ihn zu lieben. Um nicht ihr Unglück in seiner Nähe ertragen zu müssen, lässt er sie mit Hermes gehen. Die Schatten der Toten klagen grauenvoll über Persephones Weggang, da sie sich von ihr Tröstung, Pflege und sogar neues Leben sowie Rückkehr in die Welt der Lebenden erhofft hatten. Glücklich über die Wiederkehr der Tochter lässt Demeter in einem Frühlingstanz mit Zeus die Welt wieder ergrünen. Persephone wird jedoch nicht glücklich in ihrer alten kindlichen Welt. Sie ist durch die Ereignisse zur Frau gereift und will in der Welt nützlich werden und begreift in Hades Verzicht die Echtheit seines Gefühls. Persephone beschließt gegen den Wunsch ihrer Mutter zu ihm und den Schatten der Toten in den Tartarus zurückkehren, Tag und Nacht und Sommer und Winter die Welten zu wechseln, um einen Ausgleich zu versuchen.
(Kritik der konzertanten Uraufführung in der Fachzeitung OPER&TANZ 4/2001 von Reinhard Schulz)
HOT DOGS OR BULL SHIT
Libretto für ein Musical
Besetzung:
8 D, 14 H, Chor, Tänzer
Entstanden: 1995, 2. Fassung
2009
Rechte: Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG Frei zur Uraufführung.
1. AKT In einem medizinischen Versuchslabor eines Pharmakonzerns sind streunende Hunde gefangen, die mit hundeunwürdigen Experimenten gequält werden. Die Hunde dienen der Erforschung neuer Medikamente und Kosmetika, die Verträglichkeit für den Menschen wird an ihnen untersucht. In enge Käfige gesperrt, bellen sich die Hunde wütend und aggressiv gegenseitig an, geben einander die Schuld für ihre Situation. Doch bald erzählen sie einander ihre bisherigen Lebensgeschichten, schließlich fassen sie zueinander Vertrauen. Die Hundemeute nutzt den Unfall eines Brauereifahrzeugs, welches mit seinen Bierfässern in den Zaun fährt, zur Flucht aus dem Versuchslabor in die Freiheit der Grosstadt.
2. AKT Sie laufen des Nachts gemeinsam durch die Straßen, plündern eine Fleischerei aus und besetzen anschließend eine leere Straßenkreuzung. Sie berichten einander weiter ihre Lebensgeschichten und verjagen das dicke Auto des Chefs des Pharmakonzerns. Sie wollen schließlich ein naturnahes Leben führen und zurück in den Wald, aus dem ihre Vorfahren kamen.
3. AKT Am Waldrand angekommen, zerbricht jedoch ihre Solidarität miteinander. Sie begraben ihre guten Vorsätze angesichts der wunderschönen leer stehenden Hundehütten neben den Waldvillen. Die Mehrzahl der Hunde begibt sich freiwillig zum Menschen in die goldenen Käfige mit Vollpension zurück. Nur ein Hund namens Wolf verwirklicht das ursprüngliche Anliegen. Schon an ihre neuen Herren angebiedert, mit devot wedelnden Schwänzen und neuen Maulkörben, singen sie das Anti-Maulkorb-Finale.
5. Epik:
Samdt
Eine Novelle
Entstanden : 1984
Rechte : Alle Rechte beim SEISMOCORDER VERLAG.
Diese Novelle erzählt von der
achtzehn Jahre jungen Michaela Samdt, die in der Nähe vom
Senefelder Platz in Berlin in den Jahren um 1980 lebte. Wir
erfahren von ihren Lebensumständen und den Gründen, die sie zum
Verlassen des Landes trieben, in welchem sie geboren war.
Die Geschichte dieser Ausreise basiert auf authentischen
Ereignissen, die mit ihren banalen Beobachtungen des Alltags ein
Schlaglicht auf eine heute teilweise vergessene Lebenswelt
werfen.
Aus einer gutbürgerlichen Arztfamilie stammend, litt Michaela
unter mangelnder Liebe und Familienbindung. Nach massiven Zwist
in der Familie sucht sie sich eine eigene Behausung und zieh eine
schmale Abstellkammer, wo sie mehr als ein Jahr vegetiert. Samdt
ist umgeben von einem kleinen Kreis Freunde, Eva Treu, Sven
Lautwein, Tobias Bernstein und Walter Katze, welche ihr
letztendlich auch nicht die notwendige Geborgenheit vermitteln
konnten.
Heute, über zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer
ermöglicht diese Geschichte differenzierte Einblicke in die
Gedanken und Gefühle junger Menschen in Ostberlin jenseits der
Klischees des westlichen Weltbildes. Sie waren nicht wie der
Rosshändler Kohlhaas dafür geschaffen, sich kämpferisch oder
anarchistisch mit ihrem Staat auseinander zusetzen, sondern ihre
Natur war, wie Michaela auch, dafür zu samten. Diese
Unfähigkeit der Deutschen, dem politischen System zivilen
Widerstand entgegenzusetzen, hat an Aktualität leider nichts
verloren.
Als eine Assoziation taucht in dieser Novelle der Minotaurus von
Knossos auf, der sich in seinem Labyrinth durch das
unaufhörliche Fressen der Jugend ernährte, wie jede
Gesellschaft.
Geschrieben in den Jahren 1984/85, fand der damals fünfundzwanzigjährige Autor keinen Verlag, der den Abdruck in der DDR wagte. So geriet das Manuskript in die berühmte "Schublade" und wurde erst jetzt wieder bei einem Umzug darin gefunden. Auch gegenwärtig noch liegt die Novelle nicht gedruckt vor, diesmal dient der "Markt" den Verlagen als Begründung.
Kleine Epik: (pdf)
Hürdenlauf
Traktat, (1982)
DER GUMMIBÄRENMANN, Kurzgeschichte (1998)
6. Kleine Szenen (pdf)
FRIEDHOFSRUH , Komische Szene (1991); (2 H )
CLAUS PEYMANN VERLÄSST DIE BURG, GEHT ANS BERLINER ENSEMBLE,
SUCHT BERNHARD UND FINDET SICH SELBST, Satirische Szene(1998),(1
H)
Lemurenszenen für den Sommernachtstraum (Auftrag des Berliner Ensembles, 2001)
DAS REH, DIE LIEBESBRIEFE, DIE TEEZEREMONIE, Drei Minidramen frei nach R.L.S. (2006) auch als Libretto.
Variabel:
DAS FAHLE
PFERD, (pdf) Dramatische Collage
(1981)
ALPHATEXT. pdf, Fragment, (2001)
UNWUCHT,
Stück (2003)
OPHELIA GHOST BONUS
TRACKS ELEKTROBRIEF IM FLUSS. pdf,
Fragment (2005)
1 D:
ENGEL VON BREMEN, Moritat (2009), ENGEL VON BREMEN. pdf
1 H:
TAPETENTRAKTAT, Ein Monolog (1988)
TAPETENTRAKTAT .pdf
AN DEN
DREIZEHNTEN, (REQUIEM FÜR EINEN
GREIS) Monolog (1990),
CLAUS PEYMANN VERLÄSST DIE BURG, GEHT ANS BERLINER ENSEMBLE,
SUCHT BERNHARD UND FINDET SICH SELBST, (pdf) Satirische Szene
(1998)
1 D, 1 H:
HÖLLENFAHRT, (Monologvariante, 2004)
2 D, 1 H:
NAXOS PROZESSOR, ein Trauerspiel, (2002)
1 D, 2 H, Tänzer:
ACTION ODER DIE VIRTUELLEN SIEGER, Discount - Comic für Jugendliche
1 D, 2 H, Chor:
IM DELIRIUM, Politisches Tendenzstück (2010)
1 D, 3 H:
FLEISCHWOLF, AMERIC. SYSTEM, Horrorgroteske (2008)
1 D, 4 H, Chor:
HEROSTRATOS, Anbruchspiel (1982/86)
2 D, 3 H:
MINOTAURUS AUTOMAT,, Tragödie. Variant (1988/91)
WAHN, Komödie (2009)
2 D, 4 H:
WÜSTE
MARK, Komödie (1990)
DIE SPEKULANTEN, Komödie, (2001)
3 D, 3 H:
KNALLTREIBLING, Stück(2008)
4 D, 3 H:
HIMMELFAHRT, schnelle Komödie (1994)
HÖLLENFAHRT,
serielle Komödie (2004)
3 D, 4 H:
OPHELIAS GEHEIMNIS, Tragödie (2005)
ZERSTÖRTES
TRIPTYCHON, Stück (1978) 3D, 8
H
DESPOT ODER DIE
BUNTEN SCHUHE, Gräuelkomödie
(1979) 4 D, 13 H
CAMPANELLA, Tragödie (1983/88) 1 D, 11 H, Nebenrollen
MASANIELLO, Tragikomödie nach Christian Weise (1986) 4 D,
14 H
ROST, eine Parodie (1983/88) 6 D, 9 H, Nebenrollen
DON JUAN UND
FAUST, Tragödie von Christian
Dietrich Grabbe (1994) 2 D, 6 H
VIEL LÄRM UM
NICHTS, Komödie von William
Shakespeare, Bearbeitung nach der Übersetzung von Johann Joachim
Eschenburg (1995) 3 D, 7 H
HANS WURST ODER DAS ENDE DER CHRISTLICHEN SEEFAHRT,
Horror-Groteske (1997) 1 D, 7 H
WINTERTAGSANGST, Komödie (1999) 4 D, 8 H, Nebenrollen
DER YETI,
Eine soziale Komödie, (2002) 5 D, 7 H, Nebenrollen
DER JUNGBRUNNEN, Komödie (2006/07) 5 D, 4 H, Nebenrollen
DRIFT, Komödie (2010) 3 D, 7 H
Sie auch: Medienecho (Auswahl an Referenzen)
Letzte Aktualisierung: 29.08.10
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